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Schwertransport für ein Schiffsmodell
Der Artikel erschien auch im “SchiffsModell” Ausgabe 9/2005, Autor: Peter Burgmann
Wenn ein Modellbauer etwas von einem Schiffsmodell in 1:8 hört, denkt er, „Ja, das ist ein ganz schön großer Maßstab!“. Welche Dimensionen solch ein „Modellschiffchen“ in 1:8 erreicht, wenn es sich um ein Kreuzfahrtschiff handelt, kann man sich kaum vorstellen. Das muss man gesehen haben.
Wir von der Interessengemeinschaft Schiffsmodellbau Pirmasens e.V., hatten durch Vermittlung unseres französischen Vereinsmitgliedes, 2001 die Gelegenheit den Selbstfahrer zu besichtigen. Noch im Bau war das Schiff, mit seinen 33,5 m Länge, imposant. Natürlich nahmen wir uns vor, den Stapellauf nicht zu verpassen.
Das Original
Bilder aus der Bauphase


Beim Zeitungsstudium an einem Samstagmorgen entdeckte meine Frau eine Notiz mit dem Titel „Stapellauf auf der Saar“. Das Schiff darauf kam ihr bekannt vor: die „Majesty of the Seas“ aus dem lothringischen Forbach. Es war ohne uns zu Wasser gelassen worden.
Sofort glühten die Telephondrähte zum Redakteur unserer Vereinszeitung „Bullauge“. Er hatte am Donnerstag eine Stunde vor der Wasserung davon gehört. Das war aber zu kurz, um nach Saargemünd zu kommen. Nach einiger Bedenkzeit, wegen der sommerlichen Hitzerekorde, schlug ich meine Familie breit: Erst zur Schiffsbesichtigung auf das Saargemünder Stadtfest, dann in den Badeweiher. Die lagen allerdings genau entgegengesetzt ca. 100 km auseinander.

Am Sonntagmorgen erspähten meine Söhne schon auf dem Weg zum Festgelände das Modellschiff auf der Saar. Ein gelber Kangoo mit der Aufschrift „Convoi Exceptionel“ wies uns den Weg zum Liegeplatz. Dort angekommen erfuhren wir, dass heute nur Sponsoren an Bord dürften. Normale Besucher hätten keinen Zutritt. Freundlich aber bestimmt war der Wächter am Tor.
Da fiel mir ein, dass ich zufällig das SchiffsModell-Heft mit meinem Artikel noch im Auto hatte. In der Ausgabe 6/2001 veröffentlichte ich damals den Artikel mit dem treffenden Titel „Darf´s ein bisschen mehr sein“. Hier war das Heft der „Sesam öffne dich“. Monsieur Zanella erkannte mich und ich durfte mit Frau und Kindern an einer Besichtigungsrunde teilnehmen.
Dabei berichtete der Kapitän seinen Gäste wie alles begann und was sich im Laufe der Jahre zugetragen hatte:
Francois Zanella wurde 1949 im Osten Frankreichs geboren. Als Bergmann arbeitete er 23 Jahre 1000 m unter der Erde Lothringens. Etwa 1960 verliebte er sich in Schiffe und baute Modelle der Passagierschiffe „France“ und „Norway“.
Aber immer bleib der Wunsch bestehen, auf einem Schiff zu leben. 1987 entdeckte er einen neuen Typ Passagierschiff: Die „Sovereign of the Seas“ gebaut von den „Chantiers de l'Atlantique“. So ein Schiff wäre als „Hausboot“ geeignet. Nach einer Einladung zum Besuch der „Chantiers de l'Atlantique“ in St. Nazaire entschloss er sich 1993, seinen Traum zu realisieren: Die „Majesty of the Seas“, ein Kreuzfahrtschiff der Royal Caribbean Reederei.
Wie bei den Originalen hatte Monsieur Zanella Baugruppen geplant. Zwischen 1995 und 1998 schweißte er nacheinander die Bug-, die Heck- und dann die Mittelsektion. Mittlerweile schon durch das Fernsehen bekannt, wurde Monsieur Zanella 1996 von der Werft zu seiner ersten Kreuzfahrt eingeladen. Dabei traf er den Frankreich-Repräsentanten der Reederei, Herrn Arca, der ihn wiederum dem Präsidenten der Royal Caribbean, Herrn Richard Fain, vorstellte.

Da das Schiff zum Durchfahren der Brückenpassagen in den Kanälen zu hoch war, bot 1999 die Fa. Becher einen anhebbaren Aufbau aus Planenmaterial an. Eine Fahrschule spendierte einen Möbeltransport quer durch Frankreich. Die Dichtungsmasse für die unzähligen Fenster wurde von einem namhaften Hersteller zur Verfügung gestellt. Endlich war der „Rohbau“ fertiggestellt und der Innenausbau konnte beginnen.
Der luxuriöse, große Sanitärblock machte den Anfang. Ein Videosystem zur Überwachung des Maschinenraumes und quasi als Außenspiegel des Schiffes folgte. Pumpensysteme mussten installiert werden und dazu das ganze Leitungsnetz. Eine Fummelei war die Dämmung mit Rockwool im Bereich der vielen Fenster. Wieder stellte der Hersteller großzügig das Material. Im Jahr 2000 wurden die speziell berechneten Schiffschrauben gegossen und geliefert.
Die Schlafstätten an Bord der Mini Majesty stammen von den Originalschwesterschiffen der großen „Majesty of the Seas“. Sie wurden durch die Werft vermittelt.
Im Mai 2000 traf die Lösung eines speziellen Problems ein. Die beiden Aufzüge. Eine Gabelstaplermechanik befördert die Passagiere von der Küche ins Esszimmer, mit Mechanik Nummer zwei ist sogar die Aussichtsplattform auf dem Oberdeck erreichbar. Für die gläsernen Wände funktionierte Monsieur Zanella Duschabtrennungen aus dem Baumarkt um.
Die Dekoration des Esszimmers wurde von der „Explorer of the Seas“ angeregt. Wogegen sich Monsieur Zanella beim Salon von der "Legend Of The Seas“ inspirieren ließ.
Die Freske in der Eingangshalle stellt eine achtstrahlige Windrose dar. In der Mitte ist der Schiffsname eingraviert. Darunter die Bauzeit von 1994 bis 2005 und im Zentrum die Initialen „F“ und „Z“ für Francois Zanella den Erbauer, Eigner und Kapitän. Welches Kreuzfahrtschiff kann das noch von sich behaupten?
Am 17 Juni 2005 wurde die „Majesty of the Seas“ von ihrem Betonfundament angehoben. Bis zum 21. dauern die Transportvorbereitungen.
22 Juni: Monsieur Zanella schwerste Stunden begannen. Sein Modellschiff, die Arbeit tausender Stunden, ruhte auf dem dunkelgrünen Schwerlasttransportsystem der Zweibrücker Transportfirma Mayer. Die bulligen Lastkraftwagen mit den deutschen Kennzeichen starteten den Motor. Die französische Fa. T.E.O übernahm die Begleitung des Schwertransports. Dafür wurde eigens ein Begleitfahrzeug dekoriert. Im hellen Sonnenschein schob sich der sperrige Schwertransport durch die lothringischen Ortschaften von Forbach nach Saargemünd. Schaulustige strömten herbei, um das 33,5 m lange Schiff auf seiner Reise zum Wasser zu bestaunen.
Gegen Abend wurde Saargemünd erreicht. Am nächsten Morgen stand der Kran mit den eigens angefertigten Hebegeschirr bereit. Bei strahlenden Sonnenschein schwebte am 23 Juni die 98 to schwere Majestät am Kranhaken über der erhöhten Uferstraße. Von dort musste sie über die Deichmauer, über den 5 m tiefer liegenden breiten Grünstreifen und einen Fahrweg hinweg Richtung Wasser gehievt werden. Präzision war gefordert. Routinert bedienten die „Mayer“-Leute ihr Gerät.
Da! Der erste Wasserkontakt. Gebannt starrte Monsieur Zanella auf sein Schiff. Zentimeter um Zentimeter tauchte es in sein Element. Die Wasserlinie war erreicht. Francois Zanella fiel ein Stein vom Herzen. „Nur drei Zentimeter Differenz zwischen Bug und Heck. Welcher Modellbauer schafft das schon mit seinem Schiff!“ sagt Francois Sonntags zu mir. Denn als „Modellbauer“ fühlt er sich.
Mein spezieller Dank geht an Herrn Lothar Hochreuter von der Zweibrücker Fa. W. Mayer GmbH & Co. KG, der mir großzügig und unbürokratisch seine Bilder vom Schwertransport zur Verfügung stellte.
Respekt und Anerkennung für seine großartige Leistung möchte ich Francois Zanella spenden, der es geschafft hat, seinen einzigartigen Traum zu verwirklichen: Ein bewohnbares Modellschiff!
Wer Kontakt aufnehmen möchte, hier ist die Anschrift:
ZANELLA François
3, Rue de la Forêt
57600 MORSBACH
France
E-mail: zanella.cindy@tele2.fr
http://bateau-francois.site.voila.fr
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